Das mit Valparaíso hat am Wochenende leider nicht geklappt, dafuer war ich auf meiner ersten Quasi-Erasmus-Party, auf der ich unglaublich viel Spass hatte - jetzt habe ich ja Zeit, um bis sechs Uhr morgens zu feiern ;-)
Natuerlich gehen hier die Partys (wie eigentlich in allen Laendern ausser Deutschland - das ist jedenfalls mein Eindruck) erst so gegen 12 los. Diese spezielle Party muss man sich aehnlich wie die Partys in der 7er-WG in Bamberg vorstellen: unglaublich viele Leute (in diesem Fall fast nur auslaendische Studierende) auf unglaublich engem Raum, allerdings wohnen in der WG 11 (!!) Studenten und sie haben einen "Garten" - festgetrampelter, ausgetrockneter, staubiger Boden. Nunja, ich habe nette Menschen aus Frankreich (Schwesterherz: einer der Gastgeber ist aus Caen!), Mexiko, Spanien und auch ein paar wenige Chilenen (2) kennen gelernt. Die anderen beiden Chileninnen (Sonia, Daniela) kannte ich schon davor von meinem deutschen Mitbewohner (Lars, uebrigens auch aus Bamberg).
Ausserdem waren dieses Wochenende viele Freunde von Sergio (chilenischer Mitbewohner) zu Besuch, so dass wir echt viel Spass hatten. Wir waren in einem Minitheater mit einem Minitheaterstueck ueber Gabriele Mistral (chilenische Literaturnobelpreistraegerin), die Raum-Buehnen-Konstellation wirkte ein wenig wie Kabarett und ich habe Piscosour probiert - schrecklich sauer, wie der Name schon sagt. Ausserdem haben wir Torte gegessen... Torte ist auch so eine Sache. Suesses gibt es jeden Tag zwischen 17 und 20 Uhr zur sog. "once", meist ist es fuerchterlich suesse und schwere Torte, das letzte Mal bin ich nach einem halben Stueck fast geplatzt, diesmal war ich so intelligent und habe Joghurttorte gegessen - superlecker. Dazu gibts Kaffee, klar, aber: Wie man meinen sollte, sollte es in Suedamerika richtigen Kaffee geben - nein, Nescafe. Kein Witz! In der Wohnung trinken wir auch meist schwarzen Tee - mmh, lecker, lecker, mit viel Milch :-)
Ausserdem habe ich jetzt die ersten Fotos (meine Digitalkamera funktioniert hervorragend) und eine chilenische Handynummer - MEINE NUMMER AUS DEUTSCHLAND FUNKTIONIERT NUR NOCH BIS MITTE OKTOBER!!!! Aber bis ich diese chilenische Nummer hatte... Von wegen, wir werden in Deutschland so schrecklich ueberwacht - das ist hier viel schlimmer. Man braucht fuer alles seine RUT bzw. RUN, das ist sowas aehnliches wie unsere Personummer. Allerdings geht hier gar nichts ohne die Nummer: mit Kreditkarte bezahlen - Unterschrift und RUT, im Kino guenstiger reinkommen - RUT angeben, mit dem Bus der Uni zur Uni fahren - Name und RUT in Liste eintragen, Handykarten kaufen - RUT angeben... Die Liste laesst sich wahrscheinlich endlos fortsetzen, man weiss hier tatsaechlich, was jeder einzelne Mensch gerne macht und kauft und wann er wo war - schrecklich.
Fuer die Volkskundler/EuroEthnos unter uns, hier einige Fragen, die sich aus meinem Unterricht fuer mich ergeben haben:
Ist Konsum ein Ausdruck des Individualismus?
Kann man sein Verhalten "auswaehlen"? Ist das Verhalten nicht auch vom Umfeld gepraegt? Kann ich mich meinem Umfeld so verschliessen, dass ich nicht davon beeinflusst bin?
Koennen Vorurteile (bzw. deren Auswirkungen) tatsaechlich dadurch vermindert werden, dass ich zwei "verfeindete" Gruppen (Endogruppe - Exogruppe) dazu bringe, gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten, so dass sie nur noch eine Endogruppe bilden - ist es dann nicht so, dass neue Exogruppen geschaffen werden und damit auch neue Vorurteile (und deren Auswirkungen)?
Ja, die Fragen stammen aus der Sozialpsychologie ;-)
Okay, jetzt versuche ich noch mehrere Fotos hochzuladen, bis denn!
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