Ja, ich weiss, irgendwie hab ichs damit... Aber das ist hier wirklich seltsam: Auf den Uniklos gibt es kein Klopapier in den eigentlichen Toilettenkabinen, sondern eine grosse Rolle neben den Waschbecken, wovon man sich nehmen muss, bevor man tatsaechlich aufs Klo geht. Zum einen hat das bei mir zu grosser Verwirrung gefuehrt, zum anderen ist das unglaublich unpraktisch und unterliegt einer grossen Verhedderungsgefahr...
Revolution!!!
Der gestrige Tag war etwas chaotisch und mein chilenischer Mitbewohner (Sergio) hatte vergessen, uns vorzuwarnen. Ich wohne an der U-Bahn-Haltestelle Baquedano, der Platz wird meist Plaza Italia genannt und wenn irgendwas passiert, dann da. Ich hatte erst irgendwann nachmittags Uni und konnte ausschlafen - irgendwann wurde ich dann von Sprechchoeren, Sirenen, Geschrei geweckt. Was von einem Menschenauflauf halt so produziert wird. Zunaechst habe ich mir nicht viel dabei gedacht, gefruehstueckt, geduscht - bis Sergio ploetzlich aus seinem Zimmer gestuerzt kam: "Mira, mira!" (Schau!) Im Fernsehen eine Life-Uebertragung vom Plaza Italia, wie gerade Polizisten und Demonstranten aneinander geraten.
Gestern war traditionell ein Tag fuer Demonstrationen gegen die Arbeitgeber, gegen das staatliche System und so weiter. In allen anderen Staedten ist das auch friedlich abgelaufen, nur in Santiago - wie ueblich - kam es zu "Ausschreitungen", wie es doch so gern bezeichnet wird. Die Polizei hat berittene Polizisten, Wasserwerfer und Traenengas eingesetzt, wir mussten dann auch ganz schnell die Fenster schliessen - hat trotzdem nix geholfen, kurze Zeit spaeter sassen wie heulend in der Wohnung.
Etwas eine Stunde nachdem die "Demonstration" aufgeloest worden war, bin ich mit Sergio zusammen zu einer Mall gefahren, um endlich die Digitalkamera zu kaufen (was hab ich mir in den Arsch gebissen, dass ich diesen Aufstand nicht fotografieren konnte!!!). Draussen lag noch immer das Traenengas in der Luft, wir haben ziemlich geroechelt und noch ein bisschen geweint, weil alles so traurig ist ;-)
Ausserdem hatten wir gestern das traditionelle gemeinsame Mittwochs-Essen. War ein bisschen chaotisch, weil Sergio noch zu einer Kleinkunst-Preisverleihung musste und weder Lars (der deutsche Mitbewohner) noch ich an Wein/Nachtisch gedacht hatten. Wir waren auch bei der Preisverleihung (Sergio hat die Preise verliehen) und wollten danach den Wein besorgen - dummerweise hat gestern alles um sechs dicht gemacht (normalerweise um neun) wegen der "Unruhen". Aber das Essen war sehr gut, und Carla (beste Freundin von Sergio) hat dann doch noch irgendwo eine Flasche Wein auftreiben koennen - weshalb ich heute morgen dann direkt mal verschlafen habe ;-)
In der Wohnung bricht das Internet immer noch regelmaessig zusammen, aber wir schaffen uns hoffentlich demnaechst ein eigenes an. Bis dahin bin ich wie ueblich ueber mail zu erreichen!
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