Dieses Wochenende war sehr aufregend und abwechslungsreich – Kultur und Party, abstürzen und bis in den Himmel getragen werden, tanzen bis zur Ekstase und einfach nur mal zuhören…
Donnerstag abend waren Lars und ich zum Geburtstag von Sonia eingeladen – almuerzo, das ist das Essen zwischen fünf und sieben Uhr abends, normalerweise gibt es nichts warmes, sondern Sandwiches und Torte/Kuchen. Und davon gab es unglaublich viel, dazu Pisco. Pisco ist das Nationalgetränk Chiles, hochprozentig und wird normalerweise gemischt. Entweder ganz traditionell mit Zitronensaft (Piscosour, wobei „sour“ je nach Lokalität unterschiedlich sauer sein kann) oder eben mit Cola (Piscola), wie man das auch mit Wodka und Rum machen würde. Die letzten U-Bahnen fahren so gegen elf, ich hatte also keine Probleme, Freitag morgen um 8.30 Uhr in der Uni zu sein ;-)
Freitag abend war ich mit Ismael (studiert mit mir Literatur, Cervantes-Seminar) bei einem Konzert von Joe Vasconcellos, der typisch lateinamerikanische Musik macht. Ismaels Schwager spielt in der Band mit, deshalb haben wir Karten für (fast) lau bekommen. Ich war etwas überrascht, als wir vor einem Theater standen und hatte das dumme Gefühl, ziemlich „underdressed“ zu sein. Das Theater war auch von Innen ein Theater, aber nach dem dritten Lied standen sämtliche Besucher der Konzerts und tanzten – war echt geil, hat mir sehr gut gefallen. Ganz viele Instrumente, von denen ich nicht weiß, wie sie heißen (manche habe ich auch noch nie in meinem Leben gesehen) und unglaublich aufregenden Gute-Laune-Musik.
Anschließend sind wir noch was trinken gegangen und dann zur WG-Einweihungsparty von Dani (studiert mit Lars und Sonia an der USACH, ist sehr nett und total verrückt), die wir gegen 5 verlassen haben… Natürlich war ich Samstag morgen verkatert…
Samstag abend bin ich mit Lars zusammen in ein klassisches Konzert in das Theater direkt um die Ecke gegangen – die Vergünstigungen für Studenten sind hier unglaublich, wir haben umgerechnet 2,-€ bezahlt. Das Orchester der Uni de Chile hat Prokofiev, Bartók und Liszt gespielt. Hat mir sehr gut gefallen, allerdings ist die Akkustik in dem Theater nicht so gut.
Insgesamt sind die Theater hier meist etwas runtergekommen – die Farbe platzt von der Decke und Umbauten werden meist eher unprofessionell vorgenommen. Im Theater mit dem Konzert von Joe Vasconcellos war die Bühnenkonstruktion für die Beleuchtung über der Decke an Stahlseilen aufgehängt – in der Decke waren also einfach etwa faustgroße, unverputzte Löcher (hat mich ein bisschen an meine Decke in Bamberg erinnert) und zwar nicht nur für die Bühnenaufhängung, sondern anscheinend auch noch für andere Bühnenelemente…
Samstag abend war ich dann auch noch bei Valentín (studiert Psychologie) auf eine Party eingeladen und habe – glaube ich – mit einer „pelo lais“ Bekanntschaft gemacht. „Pelo lais“ heißt so viel wie „glattes Haar“ und ist eine „Bewegung“… der Dummheit, würde ich sagen. Also, Angehörige dieser Bewegung sind weiblich, haben lange, meist blond gefärbte, glatte Haare und ihr einziges Interesse gilt der Mode, Aussehen, Körperpflege und Jungs (am besten: Mannschaftskapitän irgendeiner Sportgruppe). Das typische Hollywood-Teenager-Highschool-Liebeskomödie-Klischee. Das Mädel hat es auch nicht fertig gebracht, mehr zu sagen als ihren Namen, dass sie Design an der Mayor (auch eine Uni) studiert, mich unglaublich sympathisch findet und wir am Donnerstag unbedingt miteinander weggehen müssen (klar…). Zwischendurch hat sie dämlich gekichert und ist sich mit den Fingern durchs Haar gefahren und hat sich Zigaretten von ihrem Freund geschnorrt. Und die meisten Jungs stehen tatsächlich drauf (naja, hübsch sind sie ja schon!).
Sonntag morgen bin ich ins Museum Bellas Artes und war ein bisschen enttäuscht. Irgendwie hätte ich von DEM Museum Chiles mehr erwartet – streckenweise sehr gut, aber irgendwie winzig, also kein Vergleich mit den großen Kunstmuseen in Europa (Tate, Pinakothek…). Allerdings ist es auch in den Museen so, dass Studenten sehr günstig reinkommen bzw. die meisten Museen Sonntags umsonst sind. Leider war trotzdem nicht wirklich was los, einige Eltern mit ihren Kindern, ein paar junge Leute (Pärchen) und das war’s dann auch schon wieder…
Achja, am Mittwoch waren außerdem Randale vor der USACH, auch hier gibt es den Schwarzen Block und auch hier sind diese Demonstranten nicht besonders friedlich. Die Polizei ist ähnlich wie letztens sehr schnell und brutal vorgegangen (ich will hier keinen verurteilen, ich blick immer noch nicht ganz durch, wer hier wegen was gegen wen demonstriert…), Lars hat den ersten Tränengaseinsatz noch mitbekommen, bevor er sich in die U-Bahn flüchten konnte, um mit mir das Geschenk für Sonia kaufen zu fahren.
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