Dienstag, 30. Oktober 2007

Arbeiten ist auch mal noetig...

Manchmal verwandelt sich unser Wohnzimmer in eine Buehne - Sergio hat die letzte Woche mit ein paar Leuten ein Theaterstueck geprobt...

Die letzte Woche ist wieder wie im Fluge vergangen, ich arbeite immer noch an meinem Referat, wofür ich auch die Umfrage herum geschickt habe. Inzwischen sind die Fragebögen ausgewertet und ich habe festgestellt, dass ich mein Konzept noch einmal überarbeiten muss – das ist inzwischen das 3.Konzept und wenn ich den Professor nicht so mögen würde, hätte ich es schon geschmissen. Gestern war ich schon "mal eben kurz" (5h) in der Nationalbibliothek, die haben ein sehr lustiges System was die Buecher angeht: sie haben auch ein OPAC, man schreibt sich Titel, Autor, Zahlenkombi auf und dann latscht man mit dem Zettel in den Lesesaal, gibt den einer Dame, die die Buecher dann im Lager bestellt, man bekommt einen Leseausweis in die Hand gedrueckt und wartet, bis es mal wieder "bling" macht und die Nummer auf dem Display aufleuchtet. Allerdings darf man immer nur 2 Buecher auf einmal lesen, ausleihen darf man gar nicht, aber ich habe endlich vernuenftiges Material gefunden. Dementsprechend liegt noch eine anstrengende Woche vor mir und das verlängerte Wochenende, das wir dank Allerheiligen haben, werde ich wohl vor meinem Laptop verbringen. Mit einem Tag Pause, wir fahren entweder ans Meer oder in den Cajón de Maipó, wobei „wir“ noch nicht genau definiert ist: Eine Floskel in Chile ist: „Vamos a hacer un asado, vamos?“ („Lass uns grillen!“). Die benutzt man, wenn man jemanden ewig nicht mehr gesehen hat, ihn zufälligerweise auf der Straße trifft und sich dann verabschiedet. Allerdings wird man nie gemeinsam grillen, genauso wenig wie gemeinsam Tennis spielen oder sonst was. Ist so ähnlich wie: „Wir müssen UNBEDINGT mal wieder Kaffee trinken gehen!“ Der andere Chilene antwortet dann: „Si, si, claro!“ und das ist dann das „chilenische Versprechen“, das nie eingelöst wird. Ähnlich funktioniert das mit Wochenendausflügen… Valentín, studiert mit mir Psychologie und ist inzwischen ein guter Freund
Das sieht richtig aus wie Party, oder?? Keine Ahnung, was meine Kamera gemacht hat... Links sitzt die Cousine von Valentín (supernett) und rechts Marie, sie ist Franzoesin, auch an der UDD und ziemlich witzig



Freitag abend war ich auf Valentíns Geburtstag eingeladen, er hat in einem Club gefeiert, der glücklicherweise nicht in Las Condes, sondern Bellavista liegt, dementsprechend konnte ich abends ganz gemütlich hinlaufen und mich dann günstig von einem Taxi nach Hause bringen lassen.
Samstag morgen (9.40 Uhr, ich war stolz auf mich, dass ich um halb vier vom Geburtstag verschwunden bin – dazu muss ich mal wieder sagen, dass hier Partys eben erst um 23.00 oder 24.00 Uhr anfangen) war ich mit meinem Prof (aus der Kunstgeschichte, der mit dem Humboldt-Referat) verabredet – ich hab ihn Zuhause abgeholt und wir sind gemeinsam nach Cal y Canto gelaufen, wo wir weitere Studenten (die sich oben in Las Condes an der Uni getroffen haben, um mit einem Unibus nach Cal y Canto gekarrt zu werden, weil die Innenstadt – abajo im Allgemeinen – so gefährlich ist und man dort dementsprechend nicht hingeht und sich sowieso nicht auskennt. Und außerdem: Wo hätten die Autos geparkt werden sollen??? Hört sich jetzt ein bisschen gemein an, aber die meisten Kunststudenten kommen aus richtig reichen Familien und haben tatsächlich genau diese Einstellung.) getroffen haben um einen Künstler in seinem Atelier zu besuchen. Erstmal zur Wohnung von Ricardo (es ist hier normal, dass man seine Professoren duzt und mit Vornamen anspricht): Ich habe nur drei Räume in seiner Wohnung gesehen, war aber schwer beeindruckt. Man stelle sich ein Wohnzimmer vor, ungefähr 25 m² (wenn nicht mehr), eine lange Fensterfront mit Blick auf das Bellas Artes und den Park und die restlichen drei Wände sind mit Regalen bestückt, bis zur Decke, und darin: Bücher, Bücher, Bücher. Über alle Themen der Welt, so erschien es mir auf jeden Fall, in Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch. Ich hatte ein bisschen Zeit (hey, ich war nicht zu früh, sondern typischerweise ein bisschen zu spät!!!), mich umzuschauen, weil Ricardo noch kurz mit seinen beiden Mitbewohnerinnen fertig gefrühstückt hat. Er ist ungefähr 45, muss man dazu sagen. Auf dem Weg zu Cal y Canto hat er sich dann ein bisschen über Las Condes und Chile aufgeregt (er spricht fließend deutsch, hat ein paar Jahre in Mainz unterrichtet und sein Vater ist noch in Deutschland aufgewachsen). Wie man vielleicht raus lesen kann: Ich bin schwer beeindruckt von diesem Mann…
Das Künstleratelier und der Künstler waren auch ganz interessant, allerdings war das ganze sehr technisch, weshalb ich wenig verstanden habe. Über Grundierungen, Techniken des Malens,… Als es dann um die Geschichte des Hauses ging, konnte ich wieder einsteigen, ich werde das jetzt aber nicht ausführen ;-)

Halloween
Cristian, Dani und Marcello (bilden eine WG) vor der Halloween-Party
So sind wir also auf die Party gegangen, links hinten: Lars, Dani, Marcello, ich, Dani; vorne: Anahí und Cristian
Auch in Chile hat man Halloween von den Amis übernommen, ähnlich wie bei uns haben sich Halloween-Partys aber erst in den letzten 10 etabliert. Allerdings haben sie hier keinen Fasching/Karneval im Februar, was ich sehr schade finde – wahrscheinlich werde ich nächstes Jahr dann ausnahmsweise mal gesund bleiben, gibt ja nix zu feiern ;-)
Wir (Dani, Sonia, Lars, Cristian, Marcello und ich) waren wieder mal in das Haus mit den 11 ausländischen Studierenden eingeladen, da, wo ich auch schon mal in der ersten oder zweiten Woche war. Zunächst mussten wir aber mal das Kostümproblem lösen – was sich Samstag Nachmittag um 16.30 Uhr als ziemlich kompliziert herausgestellt hat. Leti (eine Freundin von Dani) sagte, dass sie zwei Kostümläden kenne, die waren aber als wir ankamen schon geschlossen, genauso wie die anderen 3 Läden, die laut Auskunft in der Nähe sind. Tja, wir sind ungefähr eine Stunde durch das ganze Viertel gelaufen und haben letztendlich doch noch einen Kostümverleih gefunden. Leti, Dani und Lars wollten mir das Kostüm einer Bauchtänzerin aufquatschen, allerdings hab ich mich so nackt darin gefühlt (Rücken frei, Bauch frei, Rock ziemlich durchsichtig), dass ich das dann lieber gelassen habe. Außerdem habe ich im Moment auch den Bauch, den man zum Bauchtanzen braucht und ich hatte nicht das Bedürfnis, den aller Welt zu zeigen. Ich bin dann also (mal wieder) als Hexe gegangen und habe mich sehr wohl in meinem Kostüm gefühlt – schön warm war es zusätzlich auch noch, mit Bauchtänzerinnen-Kostüm wäre es wohl etwas frisch geworden.
Paolo (Chilene), Sergi (Barcelonese), Alex (Deutscher) und der Franzose, den Namen hab ich schon wieder vergessen (von links nach rechts)

Anahí ist abends zu mir gekommen, sie ist aus Paraguay und eine großartige kleine Person, sie wohnt im Moment bei ihrem Onkel in Las Condes und studiert auch in der UDD. Großartig, dass ich so ein großes Bett habe!!! Sonst hätte sie nicht mit auf die Party kommen können… Nachdem wir uns umgezogen hatten, sind wir zu Dani gelaufen und haben dort Dani ein wenig bemitleidet: Sie wollte unbedingt als „Prostituierte“ gehen und hatte sich von ihrer Schwester ein Korsett besorgt – allerdings hatte sie wohl nicht damit gerechnet, dass man so schlecht darin atmen kann… Am Mittwoch verkleidet sie sich als Mann :-p
ehm, ja... Aber man muss dazu sagen, dass es so dunkel war, dass man durch den Sucher nichts sehen konnte!


Auf beiden Parties habe ich wieder unglaublich viele Menschen kennen gelernt, viel Castellano geredet und so langsam aber sicher entwickelt sich hier ein Freundeskreis – sobald echte neue Freunde auftauchen, werde ich die natürlich benennen, bzw. ihr seht das ja auch in den Fotos!!! Alex hatte ich schon mal irgendwo vorgestellt, oder???

Alex und Anahí
Rueckkunft nach Hause...

Donnerstag, 25. Oktober 2007

Rueckkehr nach Hause

Hab's nach einigen Querelen geschafft, meinen Rueckflug umzubuchen - ungluecklicherweise kann ich nicht bis September bleiben, weil mein Rueckflug spaetestens ein Jahr nach Hinflug sein muss. Und da es keinen Flug am 25.August gibt, werde ich hier am 24.August aufbrechen muessen. Bald wieder eine laengere Nachricht!

Dienstag, 23. Oktober 2007

Im Westen nichts Neues…



Könnte man glauben, weil ich so lange nicht mehr geschrieben habe. Falsch! Es ist mal wieder so viel passiert, dass ich keine Zeit hatte, mich schriftlich über die vergangene Woche auszulassen.
Am Donnerstag ist ein Polizist bei einem Banküberfall in der Stadt erschossen worden, was für Santiago ungewöhnlich ist, denn normalerweise werden hier die Banken genauso wie in Deutschland überfallen und es gibt keine Toten. Am Freitag habe ich einen sehr netten Polizisten kennen gelernt, der hieß Freddy und hat uns nach dem Konzert von „Los Bunkers“ und „Sol y Lluvia“ ein Taxi besorgt („Bis zur nächsten großen Straße laufen ist zu gefährlich“).
Am Freitag war ich also auf diesem großartigen Konzert vor der Universidad de Chile, mit unglaublichen vielen Menschen und unglaublich chaotischer Organisation, Nicht-Organisation ist vielleicht besser ausgedrückt. Zunächst dachten wir (das sind übrigens Lars und ich), das Konzert wäre in der Universidad de Chile mit der gleichnamigen U-Bahn-Station. Tja, falsch gedacht, nachdem ich ein paar Punker befragt hatte, ob sie wüssten, wo das Konzert wäre (die Antwort „Nee, keine Ahnung“ hat mich 2 Zigaretten gekostet) und dann von zwei Bankmanagern (so sahen sie zumindest aus) die Information bekommen haben, sind wir noch mal kurz eine halbe Stunde in der U-Bahn quer durch die Stadt gefahren und sind dann nach weiteren 10 Minuten verwirrten Fußmarsches in der Uni angekommen (okay, bis hier war das unserer Nicht-Organisation). Vor der Uni und im Eingang war ein riesiges Aufgebot an Polizisten und Sicherheitskräften, ich wurde Ganz-Körper-abgetastet (von einer Frau) und man musste insgesamt durch drei Schleusen, um dann tatsächlich im Gelände zu sein.
Jetzt zu dem großartigen Verkaufssystem, das in Chile in vielen Kneipen, Eisdielen, Bäckereien und anscheinend auch auf Konzerten betrieben wird: zunächst stellt man sich in eine Schlange, um einen Coupon zu erwerben, den man dann, nachdem man sich in einer zweiten Schlange angestellt hat, gegen Getränke, Eis,… eintauscht. Wenn man Glück hat, bekommt man eine Nummer zum Coupon, wenn nicht, tja… Auf dem Konzert gab es natürlich keine Nummern, dementsprechend war das alles ein bisschen komplizierter. Aber das erste Mal Getränke holen war noch kein Problem. Beim zweiten Mal habe ich bezweifelt, ob ich lebend wieder rauskomme. Wie auch an Bushaltestellen (dazu hatte ich schon mal geschrieben, dass man Bushaltestellen, an denen Busse zu Unis abfahren, immer am Knäul davor erkennt, während an allen anderen Bushaltestellen Schlange gestanden wird?) hatte sich trotz einer Absperrungsmaßnahmen ein riesiges Knäuel drängelnder und schubsender Menschen gebildet, zeitweise so schlimm, dass die Kassen geschlossen wurden – als ich es gerade fast endlich bis an eine der Kassen geschafft hatte. Dann haben sie die Kassen an andere Stellen umgeräumt (dazu muss ich anmerken, dass die Kassen hinter einem einbetonierten Zaun der Uni waren) und innerhalb von 30 Sekunden hatte sich das Knäuel an dieser anderen Stelle gebildet. Während ich also in diesem Geschubse und Gedränge stand, durfte ich die Erfahrung machen, auf die mich Sergio vermutlich vorbereiten wollte, als er mich am ersten oder zweiten Tag gefragt hat „Y, tuviste sexo en el metro?“ (Und, hattest du Sex in der U-Bahn?). Man wird wohl des öfteren auch in der Metro begrapscht, wenn es richtig voll wird. Da ich mich in diesem Menschenknäuel überhaupt GAR NICHT bewegen konnte (ich war froh, dass ich einigermaßen wusste, wo meine Hände und Füße waren, ab und zu war ich mir da nicht sicher), konnte ich mich leider auch nicht umdrehen und dem Typen eine knallen. Großartig, nee? Abgesehen davon hab ich mir anschließend ca. die Hälfte des guten Piscola über meine Klamotten (und die anderer Leute) geschüttet, aber ich lebe ja noch.
Anschließend konnte ich Lars davon überzeugen, dass wir jetzt dringend ein paar Leute kennen lernen müssen, zu zweit war es ein bisschen langweilig. Das ging auch ganz schnell, auch wenn ich die netten Leute aus der „Schlange“ (ja, da waren auch nette Menschen, Englischstudenten) nicht wieder gefunden habe.
Die nächsten 4 Stunden haben wir uns also mit César, Lore, Laura, … und noch ein paar Menschen, an deren Namen ich mich leider nicht mehr erinnere, vergnügt.
Einige von den Jungs...


Zum Konzert selber: Los Bunkers sind eine der bekanntesten chilenischen Bands überhaupt, aus Concepción (7h Richtung Süden) und die Menschenmasse ist abgegangen – unglaublich. Hüpfen, schreien, tanzen,… Eigentlich hatte ich Videos gemacht – um festzustellen, dass die Musikqualität so schlecht ist, dass ich das unmöglich veröffentlichen kann. (http://www.losbunkers.cl/ , z.B. http://www.youtube.com/watch?v=_04ueK-DMaA ; http://www.solylluvia.cl/ , http://www.youtube.com/watch?v=cuL2EiBhs-s ). Sol y Lluvia machen allerdings traditionellere Musik mit Flöten und Okulelen (schreibt man das so?) und man kann meist sehr gut die übelsten Verwünschungen gegen Pinochet im Rhythmus der Lieder brüllen. Ich hab nur „Asesina Pinochet“ (Mörder Pinochet) verstanden, die restlichen Sprüche – keine Ahnung.
Los Bunkers live...

Am Samstag war ich zunächst mal wieder im Theater, diesmal ein klassisches Konzert (Wagner – Grieg – Franck) und anschließend auf der WG-Einweihungsparty von Nuria (Spanierin), sie ist mit fünf anderen Austauschstudenten in ein Haus zusammengezogen, mit Garten und winzigem Pool, total schön. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich nette Leute kennen gelernt habe oder nicht, die Baggerei ist ja immer die gleiche (wenn man zum 100.Mal hört: „Eres hermosa!“ glaubt man nicht mehr an die Kreativität der Chilenen). Ein chilenischer Jura-Student schien erst ganz nett, bis er beschlossen hat, mich jetzt für den Rest des Abends in Beschlag nehmen zu müssen – was ich natürlich gar nicht eingesehen habe, was er wiederum nicht einsehen wollte. Wenn ich mich dann also mit anderen Jungs unterhalten habe, ist er hinter deren Rücken rumgesprungen und hat mir zu verstehen gegeben, dass diese Person sicherlich ganz schrecklich ist. Kindergarten??? Irgendwann war er beleidigt, weil ich ihn ignoriert habe, bis jetzt hat er sich noch nicht gezuckt, mal schauen, ob er sich noch traut, sich zu melden. Ein Freund von Alex (sitzt in meinem Borges-Kurs) hat es letztendlich volle Breitseite abbekommen, ich hatte mich Freitag Nacht ja schon so aufgeregt und dann dieser Jurastudent… Auf jeden Fall hat der arme Kerl ungefähr 20 Minuten mein Schimpfen auf den chilenischen Machismo ertragen müssen und dabei war er echt mal richtig nett! Er hat sich auch den Rest des Abends vor mir versteckt, glaub ich *uups*
Nicht dass ihr jetzt glaubt, hier wäre alles nur Party, aber ich brauche nicht zu schreiben, wie ich am Schreibtisch sitze und Texte lese, oder???
Oh, noch eine lustige Geschichte: In der Straße meiner Bank, die liegt weiter Richtung Zentrum ist eher eine nicht ganz so einwandfreie Gegend, mit Erwachsenenkino und richtigen Spelunken. Auf jeden Fall hing an einer dieser Bars die ganze Zeit ein Zettel mit der Aufschrift „Busca chica 18-25 años para el bar“, hab ich auf jeden Fall immer gelesen und auch schon drüber nachgedacht, einfach mal reinzugehen, um mir die Bar anzuschauen, ob ich dort arbeiten möchte. Letzte Woche habe ich festgestellt, dass dort nicht „para el bar“ sondern „para la barra“ steht, was ein bisschen was anderes bedeutet: „Suchen Mädchen für die Stange“, und an dieser Stange wird getanzt.
Soviel zu: „Wer lesen kann, ist klar im Vorteil“
Außerdem möge man sich nicht wundern, wenn man zu zehnt über den Konzertvorplatz latscht, alle relativ blond und überdurchschnittlich groß (was Chile angeht) und dann gefragt wird, ob man „zufälligerweise“ aus Deutschland kommt – oh Wunder, ich lag richtig. Allerdings waren diese Studenten irgendwie nicht so erpicht darauf, neue Leute kennen zu lernen, was auch mal wieder dem Stereotyp „Deutsch“ entspricht, oder?

Donnerstag, 18. Oktober 2007

Nichts Neues...

Jetzt melde ich mich auch mal wieder. Eigentlich wollte ich am Wochenende einen schoenen Ausflug machen, was aber daran gescheitert ist, dass ich Freitag abend krank geworden bin und den gesamten Samstag im Bett verbracht hab - schicke Grippe mit Fieber, Husten, laufender Nase und allem drum und dran. Am Montag war ich dann wieder voellig gesund, ich glaube, die Viren wollten mir einfach nur das Wochenende versauen.
Am Dienstag habe ich dann festgestellt, dass am Wochenende die Zeit von Winter auf Sommer umgestellt wurde. Ich war eine Stunde zu spaet in meinem Literaturkurs (ich hatte mich schon gewundert, warum so wenig in der U-Bahn los ist). Falls die Zeit in Deutschland auch schon umgestellt wurde, haben wir nur noch 4h Zeitverschiebung - was telefonieren, etc. einfacher macht. Apropos telefonieren: Mein Handyvertrag ist auch ausgelaufen, die deutsche Nummer exisitert nicht mehr.
Ausserdem hatte ich heute mein 1."Referat" - mein Gott, was sind die Studenten von hier (einige zumindest) unfaehig!!! Die beiden Maedels haben, glaube ich, noch nie in ihrem Leben selbst einen Text schreiben muessen, eigentlich war die Aufgabe ganz einfach: Theorie "Influencia social" auf irgendwas anwenden (in unserem Fall: Subkulturen). Naja, auf den Text haben wir eine 2.0 bekommen - Notensystem in Chile: von 0.0 bis 7.0, wobei 7.0 das Beste ist und die 4.0 unserer 4.0 (gerade noch bestanden) entspricht. - deswegen haben wir uns die letzten beiden Naechte um die Ohren geschlagen und ich habe gestern nacht um 2.30 Uhr die PowerPoint Praesentation fertig gehabt (neuer Rekord: 24 Seiten beschriftet und gelayoutet in 1 1/2h!)
Yep. Jetzt gehe ich gleich meinen Flug umbuchen und ansonsten ist echt nix passiert - wie langweilig ;-)

Montag, 8. Oktober 2007

Wochenendaktivitäten

Die letzte Woche hat nicht viel neues gebracht, bis auf „kleine“ Unregelmäßigkeiten im Stundenplan – am Dienstag sind zwei Kurse ausgefallen, wovon ich nichts wusste und deshalb irgendwie versucht habe, die Zeit in der Uni totzuschlagen. IN der Uni. Es gibt nämlich einfach gar nichts außenrum (außer riesigen Villen). Am Mittwoch saß ich dann alleine mit der Professorin im Kurs, der folglich auch mangels Studierender ausgefallen ist. Sie war „etwas“ erbost, dafür sind wir aber ein wenig ins Gespräch gekommen und sie hat mich zu einer Konferenz über das Mittelalter in Europa im nächsten Semester eingeladen – ich soll einen Mini-Vortrag halten, wie es denn so ist, in einer mittelalterlichen Stadt zu leben (grobes Thema).
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Liebe Bamberger, bald werde ich euch um ein paar Gefallen bitten müssen…
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Am Freitag war lustig „Wir beschäftigen die ausländischen Studierenden einen ganzen Nachmittag“ und ich habe endlich mal ein paar von den anderen Austauschstudierenden kennen gelernt, die meisten sind auch sehr nett. Mal schauen, ob sich daraus auch Freundschaften entwickeln oder nicht, ich hab jetzt erstmal ein paar Telefonnummern eingesammelt :-) Zunächst standen „sportliche“ Aktivitäten auf dem Programm, Sackhüpfen, Tauziehen, Rugby ohne Regeln (superlustig, teilweise etwas schmerzhaft: Hab jetzt einen schicken Bluterguss am Knöchel, weil mir irgendjemand draufgehüpft ist, als ich mich gerade im Dreck gewälzt habe), … Am nächsten Tag hat mir natürlich alles wehgetan, dazu kam noch ein kleiner Kater, weil wir Freitag abend Danis Geburtstag gefeiert haben.
Wir sind tanzen gegangen und die Chilenen stehen nicht nur so ein bisschen auf 80er: Ungelogen, etwa 60% der im „El Tunel“ gespielten Lieder waren aus den 80ern, 25% aus den 90ern und aktuelle Lieder hab ich genau 2 gezählt. Zum Tanzen (und auch zum Trinken) geht man Geschlechter-getrennt weg, wir waren nur Mädels und irgendwann später sind die festen Freunde der vergebenen Mädels nachgekommen. Alex (der Deutsche aus meinem Borges-Seminar) hat mir erklärt, dass, wenn man in gemischten Gruppen weg geht, eigentlich erwartet wird, dass irgendwer mit irgendwem später nach Hause geht. Die Logik dahinter versteh ich nicht, aber nun gut.
Carla und Lars (man achte auf den Schnee im Hintergrund!!!)


Der Ami, Lars und ich "ueber Santiago" und so sahen meine Schuhe anschliessend aus....

Am Sonntag sind wir auf einen Cierro (Art Hügel, der den Anden vorgelagert ist) im Parque Mahuida gekraxelt – klar, jetzt wo der Muskelkater in Armen und Bauch weg ist, hab ich einen neuen im Hintern. Lars (deutscher Mitbewohner), Carla („Freundin des Hauses“) und ein Schüler von Carla, dessen Name ich gerade vergessen habe, auf jeden Fall ist er aus Amerika und seit 6 Wochen hier und spricht eigentlich schon ganz gut Spanisch, und ich. Carla ist in noch schlechterer Kondition als ich, weshalb wir echt langsam unterwegs waren. Und ich habe beschlossen: ich muss wieder mit Sport anfangen, wenn ich tatsächlich durch den Dschungel will, wird das in meiner jetzigen Verfassung auf gar keinen Fall klappen. Irgendwelche Vorschläge, welchen Sportarten ich mich widmen könnte? Ich hatte an Salsa und Tango und irgendeine Kampfsportart gedacht.
Außerdem hab ich letzte Woche versucht, mir darüber klar zu werden, wo ich überall hinreisen möchte und festgestellt, dass das ganz schön schwierige Entscheidungen sind. Vielleicht bleib ich doch bis Ende September in Südamerika, dann hab ich nach dem 2.Semester noch mal 2 ½ Monate Zeit zu reisen und jetzt mehr Zeit für einen Teil des Kontinents. Mmh, mal schauen!

Montag, 1. Oktober 2007

Erste Woche "certamen" ueberlebt!

Blick aus Danis Fenster - Santiago bei Nacht

Blick aus der Gondel auf dem Weg zum Cierro San Cristobal auf Santiago - ganz schoen viel Smog, was?

Ger und ich auf dem Weg auf den Cierro San Cristobal

Fuerbitten auf dem Cierro bzw. Danksagungen. Ganz klassisch, wunderschoen, oder?
So koennen die Tafeln auch aussehen...

Die Santa Virgen, eine riesige Statue auf dem Cierro San Cristobal. Wird gerade renoviert.

Blick vom Cierro auf die Stadt mit ein bisschen weniger Dunstglocke

und, weil ich es total witzig finde: so sieht es aus, wenn das internet bei uns endlich mal funktioniert: Lars versucht gegen die Abendsonne seine mails zu checken - bloss den Laptop nicht bewegen, sonst ist der Empfang wieder weg!!!




Die Woche nach den Ferien war vollgestopft mit Tests, alles in allem ein bisschen anstrengend, aber ich glaube, ich werde alle bestehen (man muss nur fest genug dran glauben!!!). Die Jungs waren erstmal nur kurz hier, um dann einen Abstecher nach Viña zu machen und am Wochenende hier feiern zu gehen, was wir ausführlichst zelebriert haben.
Am Freitag bin ich aber erstmal mit Cristian (dem schon mal erwähnten Arzt), seinem Bruder und dessen Freundin zu einem Konzert von Guachapé gegangen – mal wieder in einem Theater und nach dem ersten Lied der Gruppe war ich mir schon ziemlich sicher, dass Teile des Theaters den Auftritt nicht überleben werden. Angeblich wurden 24 Sitze zusammen randaliert. So viel dazu. Guachapé ist eine chilenische Gruppe aus Santiago, haben gemeinsam an einer Uni studiert und sind immer noch DIE Gruppe schlechthin für irgendwelche Studentenparties. Dementsprechend auch das Publikum. Wir saßen/standen in der zweiten Reihe, glücklicherweise nicht genau dort, wo es so richtig abging, aber in der Nähe… Einige Menschlein haben Stage-diving versucht, hat nicht wirklich funktioniert und ich muss gestehen: Ich bin auch lieber einen Schritt beiseite gegangen als ca.90kg auf mich zuhüpfen sah – er wurde dann von den Sitzlehnen gefangen…
Samstag war ich dann mit Dani und den Jungs unterwegs, sie hatten irgendwo eine Drum’n’base Party ausfindig gemacht und ich hab mich mit hinschleppen lassen, was man nicht so alles tut… War lustig und alkoholreich, ein guter Abschluss für die Woche.
Heute morgen ist Ger zurück nach Irland geflogen und die beiden andern Jungs haben sich nach Argentinien aufgemacht – ich will auch endlich reisen!!! Noch 2 ½ Monate und ich bin endlich unterwegs, für die nächsten Wochenende versuche ich ein paar Kurztrips zu organisieren. Ab November kann man in den Anden wandern/klettern und in Zelten übernachten ohne zu erfrieren, davor muss ich mich noch in der Küstenregion vergnügen.
Unglücklicherweise hat mir das Mädel aus den USA für Weihnachten in Venezuela quasi abgesagt, ihre Eltern wollen wohl doch in den USA bleiben. Ich weiß also wieder genauso viel wie vorher auch und muss jetzt mal schauen, wo ich Weihnachten verbringe, damit ich kein Heimweh bekomme (keine Sorge, es wird sich schon ein nettes Plätzchen mit netten Leuten finden lassen!).
Ich müsste nur langsam mal anfangen, die Flüge zu buchen…