Donnerstag, 30. August 2007

Klogeschichten & Revolution

Ja, ich weiss, irgendwie hab ichs damit... Aber das ist hier wirklich seltsam: Auf den Uniklos gibt es kein Klopapier in den eigentlichen Toilettenkabinen, sondern eine grosse Rolle neben den Waschbecken, wovon man sich nehmen muss, bevor man tatsaechlich aufs Klo geht. Zum einen hat das bei mir zu grosser Verwirrung gefuehrt, zum anderen ist das unglaublich unpraktisch und unterliegt einer grossen Verhedderungsgefahr...

Revolution!!!
Der gestrige Tag war etwas chaotisch und mein chilenischer Mitbewohner (Sergio) hatte vergessen, uns vorzuwarnen. Ich wohne an der U-Bahn-Haltestelle Baquedano, der Platz wird meist Plaza Italia genannt und wenn irgendwas passiert, dann da. Ich hatte erst irgendwann nachmittags Uni und konnte ausschlafen - irgendwann wurde ich dann von Sprechchoeren, Sirenen, Geschrei geweckt. Was von einem Menschenauflauf halt so produziert wird. Zunaechst habe ich mir nicht viel dabei gedacht, gefruehstueckt, geduscht - bis Sergio ploetzlich aus seinem Zimmer gestuerzt kam: "Mira, mira!" (Schau!) Im Fernsehen eine Life-Uebertragung vom Plaza Italia, wie gerade Polizisten und Demonstranten aneinander geraten.
Gestern war traditionell ein Tag fuer Demonstrationen gegen die Arbeitgeber, gegen das staatliche System und so weiter. In allen anderen Staedten ist das auch friedlich abgelaufen, nur in Santiago - wie ueblich - kam es zu "Ausschreitungen", wie es doch so gern bezeichnet wird. Die Polizei hat berittene Polizisten, Wasserwerfer und Traenengas eingesetzt, wir mussten dann auch ganz schnell die Fenster schliessen - hat trotzdem nix geholfen, kurze Zeit spaeter sassen wie heulend in der Wohnung.
Etwas eine Stunde nachdem die "Demonstration" aufgeloest worden war, bin ich mit Sergio zusammen zu einer Mall gefahren, um endlich die Digitalkamera zu kaufen (was hab ich mir in den Arsch gebissen, dass ich diesen Aufstand nicht fotografieren konnte!!!). Draussen lag noch immer das Traenengas in der Luft, wir haben ziemlich geroechelt und noch ein bisschen geweint, weil alles so traurig ist ;-)
Ausserdem hatten wir gestern das traditionelle gemeinsame Mittwochs-Essen. War ein bisschen chaotisch, weil Sergio noch zu einer Kleinkunst-Preisverleihung musste und weder Lars (der deutsche Mitbewohner) noch ich an Wein/Nachtisch gedacht hatten. Wir waren auch bei der Preisverleihung (Sergio hat die Preise verliehen) und wollten danach den Wein besorgen - dummerweise hat gestern alles um sechs dicht gemacht (normalerweise um neun) wegen der "Unruhen". Aber das Essen war sehr gut, und Carla (beste Freundin von Sergio) hat dann doch noch irgendwo eine Flasche Wein auftreiben koennen - weshalb ich heute morgen dann direkt mal verschlafen habe ;-)

In der Wohnung bricht das Internet immer noch regelmaessig zusammen, aber wir schaffen uns hoffentlich demnaechst ein eigenes an. Bis dahin bin ich wie ueblich ueber mail zu erreichen!

Dienstag, 28. August 2007

Uni??

Heute habe ich das erste Mal wirklich Uni - das ist auf Spanisch wirklich anstrengend. Nach spaetestens einer Stunde schalte ich ab und traeume vor mich hin, die anderen auslaendischen Studierenden sprechen viel besser als ich und verstehen vor allem wesentlich mehr. Manchmal komme ich mir dann echt bloed vor, auch in normalen Gespraechen - aber das wird hoffentlich bald besser werden...

Ich hatte noch gar nicht geschrieben, wie lustig der gestrige Tag eigentlich anfing: zum einen bin ich superfrueh aufgestanden, mein Handy hat irgendwas angezeigt und mich auch irgendwann geweckt, keine Ahnung wann, mein Zeitgefuehl ist auch heute noch voellig am Arsch. Dann bin ich in die richtige U-Bahn gestiegen, bis zur richtigen Station gefahren (Endstation, bis dahin konnte ich noch nicht viel falsch machen) und musste dann meinen Bus suchen. Was ziemlich schwer ist, wenn gerade alles umgebaut wird und man den Menschen, der einem helfen soll (hier gibts unglaublich viele "Ask-me"-Menschen fuer jede Gelegenheit. Auch in der Uni haben wir eine Informationsfrau) einfach nicht versteht. Irgendwie habe ich den Bus dann gefunden, erkannt habe ich ihn daran, dass dies die einzige Haltestelle mit einem riesigem Knaeul Menschen war, waehrend an den anderen Haltestellen schoen geordnete Menschenschlangen standen. Dummerweise bin ich aber an der falschen Haltestelle ausgestiegen - und keiner der Busse hat mehr angehalten, um mich mitzunehmen, da sie alle gnadenlos ueberfuellt waren. Damit meine ich nicht ueberfuellt wie in Deutschland, sondern so ueberfuellt, dass die Haare von einem Maedel aus der Tuer eines Busses, der an mir vorbeifuhr, rauswehten, weil die Tuer nicht mehr richtig schloss. Da stand ich also, mitten in der Pampa. Ich habe dann dekadenterweise ein Taxi zur Uni genommen, der Taxifahrer war sehr nett und hat mich direkt an der Information rausgelassen....
Gerade bin ich irgendwie in der falschen Klasse gelandet - hab ich mir mal wieder was falsch aufgeschrieben??? Ich wurde direkt von einem Menschen angesprochen, als ich wieder aus dem Klassenzimmer kam, ob ich denn jetzt nicht Unterricht haette. Und ich dachte die ganze Zeit, dass die irgendwelche Umfragen machen, dabei sammeln sie schwaenzende Studenten ein. In Bamberg waere das ein unmoegliches Unterfangen...

Am Wochenende bin ich nach Valparaíso eingeladen, das ist die 2.groesste Stadt und noerdlich von Santiago am Meer, also auch waermer! Olé :-) Inzwischen habe ich auch schon ein paar Menschen kennengelernt, meist auch Austauschstudenten aber auch ein paar Chilenen. Wenn mein Spanisch nicht so grottig waere, wuerde ich mich auch trauen, die Leute einfach anzusprechen, im Moment ist es noch vorsichtiges herantasten.
Abgesehen davon finde ich die braunen Haare einfach schrecklich, ganz ehrlich. Es ist zwar nicht so doof geworden, wie ich dachte, aber anders doof: Ich fuehle mich mit der Haarfarbe gar nicht wie ich. Naechste Woche faerbe ich sie neu. Wieder rot.

Montag, 27. August 2007

Endlich angekommen!

So, da waere ich... Und eigentlich ist es gar nicht so anders wie in Europa - die Stadt ist eine ganz normale Grossstadt, die auch irgendwo in Suedeuropa liegen koennte.
Die erste Anschaffung war eine Waermflasche,ich friere mir in der Wohnung naemlich den Arsch ab. Und apropos kalt: Mit Wasser sparen haben sie es hier auch nicht so, ich muss ungefaehr fuenf Minuten (kaltes) Wasser laufen lassen, damit es vom Boiler in der Kueche seinen Weg bis ins Bad findet, so dass ich "heiss" duschen kann.
Die Menschen hier sind grossartig! Alle sind sehr nett und freundlich und aufgeschlossen, wenn man jemanden kennenlernt, gibt man sich nicht die Hand, sondern umarmt sich herzlich mit einem Kuesschen auf die rechte Backe. Meine Tutorin ist supernett, ich war gerade bei ihr imBuero und habe mit ihr alles durchgesprochen. Mein Stundenplan ist auch sehr locker: Ich habe ein richtig langes Wochenende, zwar Freitag morgen Uni, aber dann den ganzen Montag nicht, so dass ich fuer verlaengerte Wochenenden noch nicht mal Uni schwaenzen muss. In drei Wochen sind die ersten Ferien - da werde ich mich mal auf in den Norden machen und ein bisschen Sonne tanken.
Hier schien gestern das erste Mal seit langem die Sonne, dann ist es auch schoen warm, aber sobald die Sonne weg ist - brrrr.
Mit meinem Spanisch tu ich mir (noch) schwer, ein grosser Teil jeder Konversation sind von meiner Seite "qué?" "otra vez" und "más lento, por favor". Aber ich kann mich verstaendigen und bin noch nicht beklaut worden.
Gestern war ich schon mit meinen Mitbewohnern und einer Freundin von Sergio unterwegs - erst auf einem Markt, auf dem man alles, aber wirklich alles (ausser Waermflaschen) kaufen kann und spaeter noch in einem riesigen Einkaufszentrum fuer die Reichen der Stadt. Einen krasseren Gegensatz kann man sich an einem Tag eigentlich gar nicht anschauen.
Auf dem Flug habe ich eine sehr aufgeschlossene Brasilianerin getroffen, die mich auch direkt nach Rio de Janeiro eingeladen hat - ich werde wohl doch noch einen Trip dahin machen, nachdem ich sowohl in Sao Paolo als auch in Rio unterkommen koennte.
Nachher flitz ich noch in die Stadt, Essen einkaufen und versuche mal, mir eine Digitalkamera zu besorgen - es ist hier wirklich schoen. Von der Uni hat man einen grossartigen Blick auf die Anden...
ach, ich bin voellig begeistert von den Menschen, der Stadt, der Uni...
und mein Zimmer ist auch schoen!

Samstag, 25. August 2007

einmal tönen bitte!


Eigentlich hatte ich befürchtet, dass ich mit dunklen Haaren wirklich richtig schlimm aussehe, aber es ist noch im erträglichen Rahmen, auch wenn meine Friseuse (oder ist Friseurin politische korrekt?) fast weinen musste...
Highlight des Wochenendes waren zwei Ziegen und sind es auch immer noch: Als ich gestern abend ins Wohnzimmer gegangen bin, dachte ich erst, dass ein riesiger Hund im Garten stehe - und war nicht schlecht überrascht, dass es sich um zwei Ziegenböcke handelt! Mein Vater dachte, ich will ihn verarschen, als ich ins Arbeitszimmer rufe: "Wen muss man eigentlich anrufen, wenn man zwei Ziegen im Garten stehen hat?" "Meinst du das gemeckere?" "ehm, ja, vielleicht auch..." "Das sind die Elstern." "Nee, Papa, schau doch mal bitte raus, wir haben zwei Ziegen im Garten!"
Dann haben wir noch ein bisschen rumtelefoniert und die Ziegen sind in den Nachbarsgarten geklettert - heute morgen kommt meine Ma ins Zimmer gestürzt (ca. 6.30, ich möchte anmerken, dass ich erst um halb vier im Bett war; ich dachte schon, ich hätte mal wieder verschlafen): "Komm mal mit, ich muss dir was zeigen!" "Wieso, sind die Ziegen immer noch da?"
Auf jeden Fall haben die Ziegen über Nacht den Garten noch ein wenig weiter verwüstet, heute mittag war der Bürgermeister da, um mal zu schauen, dann kamen zwei Polizisten vorbei, das Tierheim holt am Wochenende keine Tiere ab... Naja, ich wollte mit ungefähr 10 unbedingt eine Ziege haben (gab's für 100 DM auf dem Bauernmarkt) und habe keine bekommen - manchmal werden Wünsche eben erst später erfüllt!

Freitag, 24. August 2007

Aufregung

seit heute morgen bin ich aufgeregt... Ich dachte schon, es käme nie - aber es kribbelt im Magen schlimmer als jedes Verliebt-sein!
Natürlich ist mit der Digitalkamera mal wieder alles schief gegangen, was schief laufen könnte - sie ist auf jeden Fall nicht mehr lieferbar gewesen. Ich werde mir also eine in Santiago besorgen müssen und ihr müsst noch ein wenig auf Bilder warten.
Die übrigen Vorbereitungen laufen chaotisch: Im Moment suche ich eigentlich die To-Do-Liste meines Vaters und kann sie nicht finden, ich habe mich noch nicht entschieden ob ich Koffer oder Rucksack mitnehmen soll, welche Lieblings-Lieblings-Klamotten mit sollen (und in welche ich in 3 Monaten sowieso nicht mehr reinpassen werde), außerdem brauch ich noch Mitbringsel und muss die Rechtsschutzversicherung abschließen (habe gestern endlich mal das mit meiner Krankenversicherung erledigt)...
Für alle Freunde meiner Blondheit: die war nur vorübergehend, jetzt bin ich gerade fast schwarzhaarig. Und ich erschrecke jeden Morgen darüber!
Am Sonntag kommt dann der Reisebericht... Ich bin mal gespannt - das Mädel, das mich eigentlich am Flughafen abholen sollte, hat mir gestern mitgeteilt, dass sie leider nicht kann (okay, ich komme nach chilenischer Zeit um halb acht morgens an, aber es hätte ihr ein bisschen früher einfallen können). Mein Mitbewohner hat mir eine "Wegbschreibung" geschickt - mal schauen, ob ich unterwegs verloren gehe oder mich einfach mal wieder in den falschen Bus setze (legendär: Glasgow) oder überfallen werde oder mein Gepäck verliere. Wird bestimmt lustig!